Die Rede des Herrn H.

Ich habe lange überlegt, ob ich mich zu der Rede äußere oder nicht. Doch mittlerweile komme ich zu dem Schluss, dass ich nicht schweigen kann. Die öffentliche Diskussion dreht sich ja vor allem um die eine zweideutige Aussage. Doch darauf will ich ehrlich gesagt nicht weiter eingehen. Denn mir macht seine Rhetorik im Allgemeinen Angst. Ich habe mir die Rede in voller Länge auf YouTube angesehen. Inhaltlich ist es das übliche, das hat mich nicht so geschockt. Doch die Rhetorik erinnert mich sehr stark an die eines anderen Herrn H.

Loben der Zuhörer („aufrechte Patrioten“, „Liebe Freunde“) und loben der Stadt („Dresden ist eine ganz besondere Stadt“) kennt man ja sogar von Konzerten. Doch dann beginnt die Kampf-Rhetorik. „Wir sagen aber ja zu einer inhaltlichen Fundamentalopposition um diesen Staat, den wir erhalten wollen, vor den verbrauchten politischen Alteliten zu schützen, die ihn nur missbrauchen um ihn abzuschaffen! Das werden wir nicht zulassen, liebe Freunde!“ Zu diesem Zeitpunkt versucht er jedoch noch das Gesicht zu wahren und betont, dass es ihm um inhaltliche Opposition und nicht strukturelle geht. „Wir werden das so lange durchhalten – und so lange ich in etwas in der AfD zu sagen habe, werde ich dafür eintreten und dafür kämpfen –, wir werden das so lange durchhalten, bis wir in diesem Lande 51 Prozent erreicht haben“. Machtgewinn also. Soweit so normal für einen Politiker.

Interessant wird dann, dass er auch vor der eigenen Partei warnt. „Denn jede Partei hat eine schlimme Tendenz, und das ist die Tendenz der Oligarchisierung und der Erstarrung. […] ich muss kein Prophet sein um leider orakeln zu müssen: Auch die AfD wird irgendwann einmal erstarren.“ Nach der Diskussion um den Umgang mit seiner Rede sollte auch keine Frage sein, auf wen er mit der Aussage „Mit Bernd Lucke sind nicht alle die gegangen, die ihren Frieden mit der Rolle eines Juniorpartners in einer zukünftigen Koalition mit einer Altpartei gemacht haben. Manche von ihnen, manche von diesen Luckisten, sind geblieben. Das sind die, die keine innere Haltung besitzen, die Establishment sind und Establishment bleiben wollen oder so schnell wie möglich zum Establishment gehören wollen.“ anspielen dürfte.

Nachdem er nun seine Gegner sogar in der eigenen Partei lokalisiert hat, schaltet er in den richtigen Kampfmodus. „Ich will Veränderung, ich will eine grundsätzliche Veränderung, ich will die AfD als letzte evolutionäre Chance für unser Vaterland erhalten. Ich will, dass wir diesen Halben einen Strich durch die Rechnung machen. Wir wollen das, denn wir wissen: Es gibt keine Alternative im Etablierten.“ Ab hier stellt sich mir die Frage: Wenn es diese ‚Alternative im Etablierten“ so nicht gibt, wie möchte er sie dann mit einer reinen „inhaltlichen Fundamentalopposition“ erreichen?

In der Folge komme ich zu dem Schluss, dass er in sich selbst die einzige Möglichkeit dazu sieht und fordert die Zuhörer auf, ihm zu folgen: „Ich möchte, dass ihr euch im Dienst verzehrt. Ja, ich möchte euch als neue Preußen. […] Und ich will euch als ganzheitliche Persönlichkeiten, ich will euch nicht als Parteifunktionärszwerge, und ich werden den Teufel tun, euch den kürzesten Weg zu irgendwelchen Pfründen zu weisen, junge Freunde! […] Ich weise euch einen langen und entbehrungsreichen Weg. Ich weise dieser Partei einen langen und entbehrungsreichen Weg. Aber es ist der einzige Weg, der zu einem vollständigen Sieg führt, und dieses Land braucht einen vollständigen Sieg der AfD und deshalb will ich diesen Weg – und nur diesen Weg – mit euch gehen, liebe Freunde!“

Anschließend zeigt er seine Vision von einem neuen Deutschland auf: „Selber haben werden wir uns nur, wenn wir wieder eine positive Beziehung zu unserer Geschichte aufbauen. Und schon Franz Josef Strauß bemerkte: Die Vergangenheitsbewältigung als gesamtgesellschaftliche Daueraufgabe, die lähmt ein Volk. […] Und diese dämliche Bewältigungspolitik, die lähmt uns heute noch viel mehr als zu Franz Josef Strauß’ Zeiten. Wir brauchen nichts anderes als erinnerungspolitische Wende um 180 Grad!“.

So formuliert er sein Ziel des neuen Deutschlands: „Es geht darum, den neu entstandenen Fassaden, hier in Dresden, aber auch Potsdam, und in Berlin wird gerade auch das Stadtschloss wieder aufgebaut – Gott sei dank wird es wieder aufgebaut – es geht darum, diesen neu entstandenen Fassaden einen neuen, würdigen Geist einzuhauchen. Es ist der Geist eines neuen, ehrlichen, vitalen, tief begründeten und selbstbewussten Patriotismus. Denn wir wissen: Ohne so einen neuen Patriotismus kann keine bürgerliche Gesellschaft überleben. Und das ist die innere Erneuerung, an die Roman Herzog vielleicht vor 20 Jahren insgeheim auch schon dachte, die er sich aber nicht wagte, auszusprechen. Aber wir wagen es, diese innere Erneuerung einzufordern. Wir wagen es nicht nur, sie einzufordern, nein, liebe Freunde, wir werden sie um unser liebes Vaterland willen auch durchsetzen.“

Und zum Abschluss muss er natürlich noch einmal auf die omnipräsenten Bedrohungen hinweisen: „Liebe Freunde, die Angriffe der politischen Gegner sind omnipräsent. Sie sind manchmal in ihrer Perfidie nicht zu übertreffen, sie sind manchmal gewalttätig, sie sind hinterhältig, sie sind skrupellos, und wir werden vor den Bundestagswahlen 2017 noch eine Verstärkung dieser furchtbaren Angriffe zu erleiden, zu ertragen, zu erdulden haben. Aber wir werden diesen Angriffen widerstehen. Denn wir führen einen gerechten Kampf. Einen Kampf, der mit der Bundestagswahl nicht endet und der langfristig darüber entscheiden wird, ob wir und unsere Kinder noch eine Zukunft in der Mitte Europas haben oder ob unser Wohlstand, unser Staat, unsere Kultur und unser liebes Volk im Chaos versinken. Liebe Freunde, wir müssen nichts weniger als Geschichte schreiben, wenn es für uns Deutsche und für uns Europäer noch eine Zukunft geben soll. Wir können Geschichte schreiben. Tun wir es!“

Für mich lässt sich diese Rede folgendermaßen zusammen fassen: Alles scheiße; bald können wir nichts mehr retten; wir sind die letzten, die die Chance haben Deutschland zu retten; also auf in den Kampf. Und das ganze mit einem gewissen Personenkult um sich selbst. ‚Ihr müsst alle so sein wie ich, dann wird es Deutschland gut gehen.‘ so aus meiner Sicht sein Mantra. Tut mir leid, aber das kommt mir bekannt vor. Aus einer Zeit, an die laut ihm am besten nicht mehr erinnert werden soll.

Deswegen eine Bitte von mir: Bleibt wachsam, was solche Umtriebe angeht. Widersprecht, steht auf und sagt eure Meinung. Und überlegt, welche Partei eure Stimme im September verdient hat und für welche Visionen sie eintreten. Sollte einer von euch in Aachen, Berlin, Bonn, Dresden, Frankfurt, Freiburg, Hamburg, Köln, Oldenburg oder Potsdam wohnen, hier noch eine Idee, wie man aus meiner Sicht sinnvoll die deutsche Kultur bewahren kann.

 

p.s.: Alle Zitate sind aus der Niederschrift der Rede des Tagesspiegel entnommen.

Der zweite Weihnachtsfeiertag

Der zweite Weihnachtsfeiertag. Traditionell der Tag, an dem ich und meine Eltern die Großeltern väterlicherseits besuchen. Besucht haben. Vor 3 Jahren musste die Anzahl der Geschenke halbiert werden. Und letztes Jahr war dann kein Besuch mehr möglich.

Der zweite Weihnachtsfeiertag. Letztes Jahr durch Gesellschaft meiner Ex-Freundin aufgefüllt, dieses Jahr wahrscheinlich durch Gesellschaft meiner anderen Großeltern.

Der zweite Weihnachtsfeiertag. Und es tut immer noch weh. Die Lücke wird bleiben.

Liebe Mit-Dresdner*…

…wir haben es mal wieder geschafft. Wir sind in den Nachrichten! Allerdings wie immer mit Negativ-Schlagzeilen. Bis vor 2 Jahren waren es vor allem ein paar Unbelehrbare in den Reihen der Dynamo-Fans, seitdem bekommen sie dabei auch Unterstützung von Perfida & seinen Mitläufern sowie Geistesbrüdern.

Jetzt kann man natürlich sagen, „Die Presse berichtet immer nur über Negatives und versucht uns schlecht zu machen!“ oder „Die Polizei/Landesregierung unterstützt doch die Rechten, da können wir nichts machen!“. Auch ich finde es skandalös, dass die Polizei Perfida einen „erfolgreichen Tag“ wünscht und linke Gruppen an Demonstrationen in Hör- und Sichtweite gehindert werden mit der Begründung, dass Spontan-Demos in der Innenstadt nicht genehmigt werden. Wogegen „besorgte Bürger“ dies ungehindert tun können und das an einem strategisch sehr wichtigen Punkt (mehr dazu hier). Doch darauf möchte ich nicht weiter eingehen, denn das können wir nur zu einem kleinen Teil beeinflussen.

Doch wir, die Zivilgesellschaft, die (Achtung! Überspitzung!) weder Auto- noch Häuseranzünder in ihren Reihen gut heißt, können auch etwas tun. Und zwar Flagge zeigen und das offen. Auf Demos, in Gesprächen, sozialen Netzwerken und überall. Ich will und kann von keinem verlangen, jeden Montag auf Gegendemos zu gehen, denn wir alle haben auch noch andere Sachen in unserem Alltag zu tun. Doch wir können zumindest auf die größeren Demos von „Herz statt Hetze“ gehen. (Die nächste findet übrigens am Montag, den 17.10., statt. Mehr Infos hier.) Und all jene, die jetzt sagen, demonstrieren bringt doch nichts, den möchte ich folgendes mitgeben: Ist euch schon mal aufgefallen, wie weit es Perfida geschafft hat, die öffentliche Meinung zu beeinflussen? Und glaubt ihr, die Massendemos in Berlin haben nicht auch zum Teil zum Umdenken bei Politikern in Sachen TTIP geführt? Es ist natürlich sinnvoller sich direkt bei den Flüchtlingen zu engagieren, aber dazu könnt ihr gern alle anderen Tage, an denen keine größere Demo stattfindet, nutzen.

Aber auch in Gesprächen und sozialen Netzwerken, beziehungsweise gerade da,  ist es verdammt wichtig, unsere Meinung zu äußern. Denn sowohl rechter als auch linker Schwachsinn sollte nicht unkommentiert stehen gelassen werden. Wir müssen uns in die Diskussion einbringen und auch die politische Mitte repräsentieren und nicht nur die Extreme zulassen. Denn ich will nichts mit den Hetzern („Lügenkresse“, „R…fugees“, „Volksver…“ und ähnliches, was auch schon vor ein paar dunklen Jahren auf der Straße zu hören waren) vom rechten Rand zu tun haben. Ich kann mich aber genauso wenig mit vermummten Leuten, die gern alles zerstören, was das System (angeblich irgendwie) repräsentiert, identifizieren.

Deswegen müssen wir als Zivilgesellschaft den Hintern hochbekommen, um die Worte von Dr. Ehninger zu nutzen. Denn wollen wir das Flagge zeigen, denen überlassen, die wir genauso wenig wollen? Ich für meinen Teil nicht. Aber es kann auch nicht stehen gelassen werden,  dass „gegen den Islam geschrien und gefordert [wird], dass man die christliche Kultur erhalten muss – und dann grölt und schreit man Kirchgängern die widerlichsten Wörter entgegen. […] Dresden ist eine so tolle, kreative Stadt. Es gibt viele Künstler. Das macht die Stadt lebenswert. Es tut weh, wenn dann in der Presse alles gleichwertig nebeneinander steht, das Gepöbel und das Wunderschöne. […] Und deshalb haben wir das Weltoffene Dresden beim Fest vorgestellt. Man kämpft. Aber ist auch ein bisschen hilflos.“ (Quelle) Lassen wir Dr. Ehninger und alle, die genauso denken, nicht allein! Und schaffen positive Nachrichten, die über Dresden in die Welt getragen werden können!

Euer SachsenMartin

*hier und im gesamten Text fühlen sich bitte alle Menschen, die in Dresden den Erst-, Zweit- oder gar kein Wohnsitz haben, egal welchen Geschlechts oder keines Geschlechtes angesprochen

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Bildquelle: Bündnis für ein offenes Dresden

Mein positives 2015

Entgegen der üblichen Tradition, dass in Jahresrückblicken meist die größten Katastrophen und Debakel noch einmal hervor gerufen werden, möchte ich ausschließlich die positiven Dinge beachten. Das mag an meiner derzeitigen, eher negativen Stimmung liegen, zu der ich ein Gegengewicht aufbauen möchte und/oder auch einfach an dem Jahr 2015 und der Sachen, die ich gelernt habe.

Das Jahr begann damit, dass ich mir endlich einmal Hilfe gesucht habe. Hilfe für meine psychischen Probleme. Das war auch mit einer der größten Triumphe. Und ich ziehe es durch. Und ich merke, dass es etwas bringt. Aber vor allem, wie mächtig die Gedanken sind und wie viel man über sie beeinflussen kann.

Die wichtigste Erkenntnis aus Therapie und das Leben nebenher: ICH BIN FÜR MICH SELBST VERANTWORTLICH! Verantwortlich für das, was ich tue und was ich denke. Beziehungsweise wie ich damit umgehe und in wie weit ich es mein Handeln und meine Gefühle beeinflussen lasse. Es ist hart und es ist verdammt viel Arbeit. Aber es geht. Denn Verhalten, Gefühle und Gedanken sind immer ein sich gegenseitig beeinflussendes Dreieck. Und am Verhalten kann man arbeiten, ebenso wie an seinen Gedanken/Einstellungen zu bestimmten Themen.

Auch traue ich mir durch die Erfahrungen in 2015 mittlerweile mehr zu. Ich habe durch Studium und das Ringsrum das Gefühl von Verantwortung kennen gelernt und, wie es ist, Entscheidungen zu treffen, die nicht nur einen selbst betreffen. Außerdem habe ich, wie man auf Neudeutsch so schön sagt, meine ’soft skills‘ verbessert.

Ich habe neue Bekanntschaften geschlossen und Leute intensiver kennen gelernt. Ich habe gemerkt, dass ich Freunde habe, auf die ich mich verlassen kann und die immer für mich da sind. Ich halte alte Freundschaften aufrecht. Zumindest die, die mir wirklich wichtig sind. Und ich baue neue auf.

Ich kann geben und gönnen. Ich gebe gerne anderen Leuten etwas aus und kann mir mittlerweile sogar selbst die eine oder andere kleine oder große Freude gönnen. Beziehungsweise verwehre ich sie mir nicht mehr oder finde Ausreden, sie mir nicht genehmigen zu dürfen.  Auch so ein wichtiger Schritt, der zu meinem Wohlbefinden beiträgt.

Ebenso habe ich gelernt, mich mit Freunden zu treffen und nicht nur zu Hause rumzusitzen und zu warten, dass mich doch endlich mal jemand fragt. Ich bin aktiv geworden. Ich war auf meiner ersten Party und gehe auch ab und zu mal etwas trinken.

Ich habe bewusst wahrgenommen, dass ich einen inneren Perfektionisten in mir habe. Ich habe ihn schon ein Stück weit akzeptiert und schaffe es schon, dass ich ihn ab und an ein wenig zurück drehen und auch mal mit 90% zufrieden sein kann.

Ich habe meine Position in meiner Familie neu gesucht und gleichzeitig auch schon zum Teil eingenommen und so mein Wohlbefinden verbessert. Ich habe teilweise ergründet, was mir gut tut und was ich tun kann, wenn es mir nicht so gut geht.

Und noch ziemlich frisch: Meine Oma ist jetzt mit meinem Opa wieder vereint. Und sie haben höchstwahrscheinh ein wachsames Auge auf mich.

 

Lasst uns alle mit positiven Erinnerungen auf 2015 zurück blicken, ich bin mir sicher, ihr findet da auch etwas.

Frohe Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue, positive Jahr!

Allein oder einsam?

Ich bin letztens über ein Buch gestolpert, es heißt „Worüber müssen wir nachdenken?“. In diesem Buch sind kurze Texte von verschieden Autoren niedergedruckt, indem sie sich mit der Frage beschäftigen, worüber wir uns wirklich Sorgen machen müssen.

Einen interessanten Artikel hat dazu auch Sherry Turkle beigesteuert. Sie schreibt: „Eine Konsequenz  des Umgangs mit Knete,Farben und Klötzen bestand für Kinder darin, dass diese Beschäftigung sie abbremste. Wenn man zusieht, wie Kinder damit spielen, dann sieht man, wie die Körperlichkeit der Materialien einen Widerstand bietet, der den Kindern Zeit zum Nachdenken, zum Gebrauch ihrer Vorstellungskraft, zum Erschaffen ihrer eigenen Welten gibt. Kinder lernen, das allein zu tun, und lernen, diese Zeit des Alleinseins als vergnügliche Einsamkeit zu erfahren, um sich selbst kennzulernen. Diese Fähigkeit zum Alleinsein wird ihnen für den Rest ihres Lebens zustattenkommen. Genau auf diesem Gebiet habe ich meine größte Befürchtung: Die Bildschirme versprechen, dass man nie allein sein muss. Wir können schon jetzt sehen, dass sehr viele Erwachsene schreckliche Angst vor dem Alleinsein haben. Vor einer roten Ampel oder an der Kasse des Supermarktes geraten sie in Panik und greifen nach einem Gerät. Unser Leben mit Bildschirmen scheint uns das Bedürfnis eingepflanzt zu haben, ständig in Verbindung zu sein. Anstatt in der Lage zu sein, Zeit allein für sich zum Nachdenken zu nutzen, denken wir nur daran, die Zeit mit Verbindungen auszufüllen.“*

Mal davon abgesehen, dass das Streben nach Verbindung wohl ein urmenschlicher Instinkt ist und uns die Technik einfach nur die Möglichkeit gibt, dieses Streben auch in die Tat umzusetzen, ist da sicher sehr viel Wahres dran.

Ich merke es an mir. Ich bin eigentlich nur mit Freunden, Eltern, Hort und so weiter aufgewachsen, ich musste also nie allein sein. Und wenn ich es doch mal war, dann wurde ganz schnell der PC oder der Fernseher eingeschaltet. Also hatte ich ständig das Gefühl, nicht allein zu sein. Und gerade merke ich, dass auch ich die Probleme habe, die oben im Text beschrieben werden. Das Konzept zu diesem Text habe ich am Strand entwickelt. Ich hatte kein WLAN, also konnte ich mit niemanden schreiben, meine Eltern gingen mir auf den Geist und ich hatte nichts zu tun. Also war ich genervt und fing mal wieder an zu grübeln, sodass meine Stimmung schlechter und schlechter wurde. Um da rauszukommen, begann ich das Buch zu lesen und stolperte über diesen Text. Ich fühlte mich ertappt. Denn ich bin nicht gern allein. Und meine Kreativität, die laut dem Text auch zum Teil durch das allein spielen gefördert wird, ist eigentlich auch nicht ganz vorhanden. Meine kreativsten Momente hatte ich aber auch immer, wenn ich allein bin. Da musste also irgendwas dran sein.

Ich hinterfragte mein aktuelles Verhalten. Und siehe da: Ich bin nicht gern allein. Sobald es irgendwie geht, versuche ich immer Gesellschaft zu haben. Und bin ziemlich gefrustet, wenn das nicht klappt. Und was mache ich, wenn ich doch allein bin? Entweder ich grübel vor mich hin, versinke in einem Stimmungstief oder lenke mich ab. Mit Bildschirmen. Computer, Fernsehen, Handy. Oft auch mehreres gleichzeitig. Hauptsache Beschallung und nicht das Gefühl, allein zu sein.

Mein größtes Problem ist wohl auch, dass wenn ich allein bin und mich gerade nicht ablenke, ich zwar nachdenke, aber das dass meist grübeln und kein nachdenken und reflektieren ist. Um das in geordnete Bahnen zu lenken, habe ich, wie oben erwähnt, am Strand das Konzept für diesen Text entwickelt und gerade, wo niemand mit mir schreibt und ich allein in meiner Wohnung sitze, habe ich mich dazu entschlossen, dieses Konzept nun einmal umzusetzen.

Die Kindheit ist also nicht die Entschuldigung für alles. Klar können sich da Probleme entwickelt haben, die man nun hat, aber es ist immer die Frage, wie man damit umgeht. Denn man lernt nie aus und das gilt auch für das Verhalten. Denn nur weil man allein ist, muss man sich nicht gleich einsam fühlen. Das kann man lernen, auch im Erwachsenenalter. Und ich hoffe, dass ich nun wieder ein wenig positiver den Tag angehen kann.

*“Worüber müssen wir nachdenken?“, John Brockman, S.Fischer Verlag GmbH, Frankfurt am Main, 2014

LiebsterBlogAward

Da der liebe ickemich ja immer für die selbstbestimmte Nominierung ist, fühle ich mich mal von ihm für den LiebstenBlogAward nominiert. Danke dafür. 😀

Hier einmal die Regeln:

1. Erwähne den Nominierer mit einer Verlinkung
2. Beantworte Fragen
3. Stelle neue Fragen
4. Nominiere wieder welche.

Dann wende ich mich nun mal 2., den Fragen von ickemich, zu. 😉

1.      Wattwandern lieber barfuß oder in Gummistiefeln? (Lackschuhe sind keine Option!)
Barfuß! Ich liebe es allgemein, barfuß zu gehen, ich mache es nur eindeutig zu selten. Und nachdem ich schon in Österreich barfuß über ein Moor gewandert bin, würde ich auch das Watt unbedingt mit meinen Füßen spüren wollen.

2.      Kneipenbesuch eher mit Gandhi oder mit Gandalf?
Da ich kein großer Phantasie-Fan bin, aber durchaus an Politik interessiert bin und gerade auch den friedvollen Weg von Gandhi beeindruckend finde, eindeutig Gandhi.

3.      Was kann an Politik korrekt sein?
Für mich die Art und Weise. Ehrlichkeit und vor allem die Suche nach Alternativen. Es dürfte aus meiner Sicht nichts „alternativlos“ sein, sondern ruhig auch andere Wege erwähnt werden, die man aber aus verschiedenen Gründen nicht bestreiten kann/will. Achja: Weitblick sollte auch da sein und nicht nur die Probleme vom Jetzt behandeln.

4.      Welches Handwerk beherrschst Du keinesfalls, würdest es aber gerne?
Geduld. Ist zwar nicht unbedingt ein „Handwerk“, aber gerade mir selbst gegenüber kaum vorhanden. Und ich bin auf dem Weg, es zu erlernen. Aber das dauert. Und man braucht Geduld dafür…

5.      Wie viele Schallplatten (die runden Dinger aus Vinyl oder Schellack) besitzt Du noch?
Noch? Das war vor meiner Zeit. Und ich bin auch kein Historienliebhaber, der dann auf den Flohmarkt geht und sich welche kauft.

6.      Als Instrument würdest Du lieber Tuba oder Panflöte spielen?
Ich spiele Akkordeon. 😉

7.      Welches Tier kannst Du nicht willentlich mit bloßen Händen berühren?
Wenn es sein muss, eigentlich alle. Ohne Zwang muss ich aber keine Schnecken oder andere schleimige Tierchen anfassen.

8.      Wie viele Tage am Stück hattet Du in Deinem Leben nichts zu essen?
0 und ich bin froh darüber.

9.      Wie oft hast Du Deinen Turnbeutel damals wirklich vergessen?
Genau einmal. Und das an der Haltestelle vom Bus. Aber ich habe es schnell gemerkt und der Busfahrer hat nochmal angehalten.

9¾   Wie alt ist Dein ältester Gebrauchsgegenstand?
Die Küche mit Kühlschrank haben damals schon meine Eltern in ihrer Jugendzeit genutzt. Also um die 30 Jahre.

10½ Warum tust Du Dir das hier gerade freiwillig an? Ist doch nun wirklich kein Zwang.
Ich habe Ferien, zu viel Langeweile und Lust zu schreiben.

Nun zu meinen Fragen:
1. Warum hast du einen Blog?
2. Wie eitel bist du?
3. Glaubst du, dass der Glauben Antworten auf Fragen hat, die man nirgends sonst findet?
4. Sonntag ist Bundestagswahl. Gehst du hin?
5. Stichwort Fußball: Nervig oder Leidenschaft?
6. Was sind deine Wünsche für die Zukunft?
7. Woher beziehst du deine Informationen zu aktuellen Themen?
8. Blätterst oder klickst du Seiten lieber weiter?
9. Sollte lieber ständig Sommer oder Winter sein?
10. Wann hattest du das letzte Mal Muskelkater?
11. Hat dich das jetzt sehr genervt?

Und für die Beantwortung dieser Fragen nominiere ich franzithefreak und die FFlauschkatze. Wer zusätzlich die Fragen interessant findet oder wie ich einfach nur Langeweile hat, kann sich hiermit gern auch, wie ich es getan habe, selbst nominieren.

Viel Spaß!

Meine Geschichte

Es gibt da einen Blog von einem Menschen, der mir ziemlich ans Herz gewachsen ist: verbockt.com. Ein Mensch, der ganz offen mit seiner Depression umgeht.

Da ja nun auch ich in Sachen Psyche einiges hinter mir habe, habe ich ihm einmal meine Geschichte zur Verfügung gestellt. Denn es gibt nicht nur die eine Depression, den einen Weg oder die eine Geschichte. Wer sie einmal lesen möchte, kann dies gern hier tun.

Da das zum einen ein wichtiges Thema ist und zum anderen ich auch durchaus stolz auf meinen Weg bin, findet ihr die Geschichte auch jederzeit beim „Über mich“. Viel Spaß beim Lesen. 😉

Wer bin ich?

„Wer bist du?“ – Diese Frage haben wir bestimmt alle schon mal gestellt bekommen. Und wir haben alle instinktiv mit unserem Namen geantwortet. Ist ja logisch, denn diese Frage zielte (höchstwahrscheinlich) auch genau auf diese Information ab. Doch haben wir uns selbst auch schon mal diese Frage gestellt?

„Wer bin ich?“

Ich glaube, diese Frage kann keiner von uns spontan beantworten. So auch ich nicht. Doch ich habe mir diese Frage in letzter Zeit sehr oft gestellt, denn ich habe gemerkt, dass ich im Anfangsstadium meiner Depri-Phasen immer wieder „ausnutze“, dass ich darauf keine Antwort habe. Denn dann ist alles falsch. Egal wie ich mich entscheide, es ist schlecht und immer fühle ich mich unwohl. So geht es dann natürlich auch immer weiter rein, in die Depri-Phase.

Denn wer bin? Und was kann ich überhaupt auf diese Frage antworten? Was gehört da hinein? Persönliche Eigenschaften, Hobbys, Interessen, Träume, Wünsche,…? Ich glaube vor allem die letzten zwei Sachen sind sehr wichtig. Denn ich glaube nicht, dass es interessant ist, wer ich bin. Sondern viel wichtiger ist die Frage, wo ich hin will.

Doch auch da fällt mir es noch schwer, Antworten zu finden. Klar, für später habe ich das „spießige“ Ideal Familie, Haus und Arbeit vor Augen. Doch da führen viele Wege hin. Denn wo will ich auf kürzere Zeit gesehen hin? Will ich, sobald ich die Trennung verarbeitet habe, eine neue Freundin finden? Will ich mich erstmal „ausleben“? Und was ist dieses „ausleben“ dann eigentlich?

Da sind noch so viele Fragen. die ich für mich klären muss. Ich muss nur sehen, dass ich darüber in einem geordneten Rahmen nachdenke und nicht wieder sinnlos grübele. Das wird die Herausforderung. Aber ich bin mir sicher, dass sich meine Schwäche über alles nachzugrübeln in eine stärke umwandeln lässt.

Leichtigkeit

Leichtigkeit. Ich meine damit jetzt nicht die auf der Waage, welche man messen kann in Zahlen. Zu dieser gibt es bei der Leichtigkeit, die ich meine, nur eine Gemeinsamkeit: Man verliert sie sehr schnell und es ist schwierig, sie wieder zu erlangen.
Doch welche Leichtigkeit meine ich denn jetzt? Ich meine die im Kopf. In den Gedanken.
Meine ist seit letzter Woche weg. Zuerst hatte ich Scheiße gebaut, die aber entgegen meiner Erwartungen noch retten können. Aber die Leichtigkeit war trotzdem weg. Dann schien mir ein Berg voller Aufgaben ins Haus zu stehen und ich sollte mit zu einem Verwandten-Besuch bei meiner Freundin. Das passte mir natürlich super, vor allem, weil der letzte Besuch bei mir schon stimmungsmäßig voll in die Hose ging.
Jetzt hätte ich die Leichtigkeit gebraucht. Doch zu sagen, tut mir leid, ich kann nicht mit, ging nicht. Ich wollte bei meiner Freundin sein. Und dieser Zwiespalt hat dann zum „Kollaps“ geführt. Toll.
Die nächsten Tage gingen dann immer noch in diesem Kopf-Krieg weiter. Wäre ich nur mitgefahren, ich hätte es auch so geschafft vs. es war doch eigentlich gut so. Erstmal nicht schlimm, ist wahrscheinlich normal in so einer Zwickmühle.
Doch bei mir ging es im Kopf weiter und die Leichtigkeit ging weiter. Wenn ich mit meiner Freundin geschrieben habe, musste ich natürlich alles hinterfragen, um ja sicher zu gehen, was ich alles verpasse und so meinen negativen Gedanken weiter Auftrieb zu geben. Und wenn ich es nicht gefragt habe oder eine knappe Antwort bekommen habe, dann hatte ich natürlich eine rege Phantasie. Negativspirale.
Das alles drückte auf meine Stimmung und das belastet dann natürlich auch das Verhältnis zu meiner Freundin. Das macht mich noch trauriger. Weiter abwärts.
Man sucht in diesen Situationen Lösungen. Aber das ist eine ganz schlechte Idee. Denn in dieser Stimmung sind die meist ziemlich radikal. Trennung, Selbstmord, was weiß ich. Hinterher schämt man sich dafür. Aber es wird einem alles zu viel.
Gestern im Laufe des Tages habe ich mit vielen Leuten geschrieben. Das hat mir die Augen wieder geöffnet.
Seit heute früh geht es mir wieder besser. Ich kann wieder lachen und auch mal positiv denken. Das tut gut.
Doch es steht schon die nächste Herausforderung an: Meine Freundin ist mit einer alten Klassenkameradin unterwegs und wird mir nicht schreiben. Ich hoffe ich überstehe es. Vor allem durch „Glaube nicht alles, was du denkst.“, wie mir vom lieben @verbockt immer wieder eingetrichtert wird.
Ich hoffe, ich schaffe es.

Liebe ARD,

Ich habe gehört, dass die Pokalberichterstattung gestern rund um das Spiel sehr gut gewesen sein soll. Ich selbst kann das nicht beurteilen, da ich im Stadion gewesen bin. Aber was dann im Nachtjournal als „Zusammenfassung“ kam, hat mir echt die Stimmung versaut.
Da kam doch als Einleitung die traurige Vorgeschichte des Duells. Kann ich mit leben, dass man das aufwärmt. Doch dann erwarte ich genauso wenigstens ein paar Sätze auch zum aktuellen Duell. Dass BVB-Fans Pyrotechnik im Stadion gezündet haben und Dynamo die Choreographie mit Raketen außerhalb des Stadions unterstützt hat. Dass Dynamo-Fans nach dem 0:2 ihrem Team Standing Ovations gegeben haben und noch minutenlang nach dem Abpfiff gefeiert haben.
Doch von all dem kein Wort. So bleibt als Resümee dieser Zusammenfassung stehen: Dortmund gewinnt 2:0 gegen die Randale-Könige aus Dresden. Und das finde ich einfach unverschämt.

Mit unfreundlichen Grüßen
SachsenMartin

Aktualisierung 22.36, die Antwort der ARD-Zuschauerabteilung oder wie die sich nennt. So allgemein, dass ich befürchte, dass sie nicht bis zu den eigentlichen Redakteuren durchgedrungen ist, aber das ist nur Mutmaßung von mir:

„Sehr geehrter SachsenMartin,

vielen Dank für Ihre E-Mail und Ihr Interesse am Ersten Deutschen Fernsehen.

Wir bedauern Ihre Verärgerung über die Moderation des DFB-Pokals.

Die öffentlich-rechtlichen Landesrundfunkanstalten sind zu objektiver und sachlicher Berichterstattung verpflichtet. Auf die Einhaltung dieser Grundsätze achten die zahlreichen Kontrollgremien, die sich aus Vertretern gesellschaftlich relevanter Gruppen zusammensetzen.

Wir können Ihnen versichern, dass das Team des Nachtjournals als auch die ARD-Programmverantwortlichen jede Ausgabe der Sendung sorgfältig analysieren und Verbesserungsmöglichkeiten prüfen.

Auch Ihre Anmerkungen tragen dazu bei,  das Format noch genauer mit den Erwartungen der Zuschauer abzustimmen.

Mit freundlichen Grüßen

Julian Leuverink „